Die Libelle Heinz Erhardt (1909 -1979)
Liebe Libelle,
flieg nicht so schnelle!
Denk der Gefahren,
die deiner harren:
Bäume und Zäune,
Äste und Steine
auf allen Wegen!
Du fliegst dagegen!
Mit gebrochenen Gliedern
liegst du im Staube.
Dann kommt der Herbst,
du vermoderst im Laube…
Oder ein Vogel
will dich erhaschen,
will dich zerbeißen
und hastig vernaschen…
Oder ein Forscher
mit seinem Netze!
Erst tut er sachte,
dass nichts dich verletze
und freut sich stolz seines Besitzes!
Zu Hause jedoch nimmt er was Spitzes
und sticht´s dann
durch deine weichste Stelle:
arme Libelle!
Flieg nicht so schnelle,
genieße die Stunden
oder Sekunden.
die dir zum Leben
gegeben!
Scheint warm die Sonne:
freu dich des Lichts!
Fällt Regen die Bäche,
hast du vom Leben nichts –
im Gegensatz zur Forelle!